Mittwoch, 1. September 2010

Der gemeine Schnösel

Den gemeinen Schnösel (Homo Snobiens Maximus) trifft man in freier Wildbahn zumeist in Designerhöhlen. Er zeichnet sich durch ein verkümmertes Rückgrat aus, wodurch er eine unnatürliche Haltung einzunehmen scheint, bei der die Nasenspitze in der Regel über dem Scheitel liegt. Diese Körperhaltung gibt dem Unwissenden instinktiv ein Gefühl der Missbilligung. Evolutionär betrachtet dient dieses Gebaren allerdings der Verteidigung, da der gemeine Schnösel durch diese Haltung die Illusion von Größe vermittelt um von anderweitigen Unzulänglichkeiten abzulenken - ähnlich wie bei seinem nahen Verwandten Pavo cristatus, dem gemeinen Pfau.

Letztens bin ich einem Prachtexemplar über den Weg gelaufen.

Der Schnösel war Filialleiter einer Designermarke, welche ausschließlich besser betuchte Mitbürger als Zielgruppe hat. Mein Auftrag war eine kleine Änderung im System, welche auch nach 5 Minuten erledigt war. Da ich schon mal da war, hat mir der Schnösel auch noch von ein paar kleinen Leiden berichtet, die ich mir auch noch ansehen sollte.

Für das erste Leiden - einem vermeintlich defekten Apparat - musste ich unter seinen Schreibtisch.
Ich: "Entschuldigung, ich müsste da mal eben unter den Tisch."
Er: "Tun sie sich keinen Zwang an."
Ich: "Ähm, könnten Sie bitte kurz auf die Seite gehen?"
Er: "Oh, natürlich."

Er rollt mit dem Designerstuhl etwa zehn Zentimeter nach rechts und sieht gespannt unter den Tisch.
Okay, vielleicht hatte er noch nicht genug Cafe Latte intus. Oder zuviel. Vielleicht hatte auch sein SiA (Stock im Arsch) eine Verspannung. Kann ja sein.

Ich schlängle mich also geschickt zwischen Schreibtisch und Schnöselstelzchen in Designerhosen unter den Tisch, sehe den Fehler, lege den Rückwärtsgang ein und schlängle zurück.
Ich: "Ähm, ich bräuchte etwas mehr Platz. Wenn Sie wohl so freundlich wären..."
Er: "Oh, ja, kein Problem."

Und rollt weitere zehn Zentimeter auf die Seite.
Er hatte nicht etwa was wichtiges zu tun am Schreibtisch. Es war auch genug Platz um aufzustehen und auf die Seite zu gehen. Oder aus dem Fenster zu springen.
Aber ich bin da nicht so...

Ich schlängle mich also wieder unter den Tisch, ramme mit aller Kraft versehentlich meinen Ellbogen in seine Wade.
Er: "Aua! Passen Sie doch auf!"
Ich: "Entschuldigung. Mir fehlt hier etwas die Ellbogenfreiheit. Ah ja, da liegt das Problem..."

Nachdem ich das Kabel wieder in die Buchse gesteckt hatte, welche mit seiner Durchwahl beschriftet war, tauchte ich wieder auf und klärte ihn über die Fehlerursache auf, worauf es kommentarlos die nächste Fehlerbeschreibung gab: Das Schnurlostelefon im Lager ist defekt.

Kurz: Das Stromkabel der Basisstation war ausgesteckt. Ironischer Weise vom Telefon des Haustechnikers(!!!).
Mit dem ausgefüllten Arbeitsbeleg suchte ich meinen Autogrammspender. Eine vorbeihuschende Angestellte erklärte mir, dass er kurz weg sei und verschwand in einem Zimmer.
Ich folgte ihr, da mein Parkschein, der Parksheriff und "kurz weg" nicht zueinander kompatibel sind.

In dem Raum wurde gerade irgendein Fetzen vor allen Angestellten präsentiert - den "Aaah!"s und "Oooh!"s zu beurteilen anscheinend so etwas wie der heilige Gral der Textilkunst - für dessen Erwerb ich wahrscheinlich eine Hypothek aufnehmen müsste.
Ich, mit dem Zettel und dem Stift winkend: "Entschuldigung die Störung, aber ich bräuchte nur kurz eine..." 
Schnösel, während er mich aus der Tür schiebt: "Bitte nicht jetzt. Ich bin gleich bei Ihnen."

Jetzt war ich sauer.

Tür aufgestoßen, Zettel auf den Tisch geknallt.
Laut und deutlich: "Ich benötige jetzt eine Unterschrift. Nicht in fünf Minuten."

Ohne ein Wort bekam ich die Unterschrift, ich bedankte mich, verabschiedete mich höflichst und verließ den Raum. Ich hatte noch etwa zehn Minuten bis die Filiale offiziell geöffnet hatte.
Gutmütige zwei Minuten gab ich den Angestellten die Chance den Fehler selbst zu bemerken, bevor ich die alarmgesicherte Tür öffnete und zum nächsten Kunden fuhr.

Kommentare:

-.ZacK.- hat gesagt…

*gnihihi*
Du bist schon zu einem Teil ein BOfH... ;)

Und solche Kunden kenne ich auch. Besonders das mit dem 10cm beiseite gehen kommt mir sehr bekannt vor - das muss wohl eine angeborene Krankheit der "Homo Snobiens Maximus" sein. ;)

Anonym hat gesagt…

Zitat: "Gutmütige zwei Minuten gab ich den Angestellten die Chance den Fehler selbst zu bemerken, bevor ich die alarmgesicherte Tür öffnete..."

Da hats mich fast vor Lachen zerrissen. Wie geil, wie geil!

ednong hat gesagt…

Böse, böse ;)